Massenproteste in Serbien

Am 1. November 2024 kam es in der zweitgrößten Stadt Serbiens, Novi Sad, zu einem tragischen Unglück, als eine Überdachung des erst kürzlich renovierten Bahnhofsgebäudes zusammenbrach und eine Ansammlung von Menschen unter sich begrub.

Von Budi, Bremen

14 Menschen starben vor Ort, eine fünfzehnte Person im Krankenhaus. Der tragische Tod dieser Menschen wurde zum Katalysator landesweiter und seit Monaten anhaltender Proteste gegen die Korruption des serbischen Regierungsapparats, angeführt von Aleksandar Vučić (Ultra-Nationalist und ehemaliger Informationsminister unter dem nationalistischen Präsidenten Slobodan Milošević).
Die Proteste werden hauptsächlich getragen von Studierenden.

Immer wieder haben sich einzelne Gewerkschaften angeschlossen, die ihre Mitglieder zu eintägigen Streiks aufriefen. Anwälte, Lehrkräfte, Fabrikarbeiter**innen und Arbeiter*innen aus den, geopolitisch wichtigen Lithium-Minen schlossen sich den Studierenden an. Am 1. Februar blockierten 300.000 Protestierende alle drei Brücken in Novi Sad. Das war die größte Demonstration in der Geschichte des Landes mit einer Einwohnerzahl von gerade einmal 6,6 Millionen. Laut Umfragen steht mit 60% die Mehrheit Bevölkerung hinter den Protesten, während rund ein Drittel auf Seite der Regierungs steht.

Die Demonstrant*Innen sehen sich mit Gewalt konfrontiert, teilweise durch die Polizei aber hauptsächlich durch dezentralisierte und halb-offizielle Schlägertrupps und Individuen, die mit Autos in Demonstrationszüge fahren und den Tod Protestierender in kauf nehmen; rhetorisch gedeckt von Präsident Vučić. 

Es geht nun darum, die Proteste zu schützen und auszuweiten. Gewerkschaften müssen sich zusammenschließen und die Proteste dauerhaft in die Betriebe und Fabriken tragen. Der Rücktritt des Ministerpräsidenten Miloš Vučević ist lediglich ein Bauernopfer, um die Strukturen der Machtelite am leben zu halten. Nachhaltiger Wandel kann lediglich durch eine revolutionäre Organisierung mit Blick auf die Eigentumsfrage bewirkt werden, um in den Massen das Bewusstsein einer Klasse die an und für sich kämpft zu befördern.